Bild: Alfred Gewohn

Ja!!! zu FridaysForFuture.

Sie treffen sich seit einigen Wochen jeden Freitag. In Australien, in Japan, in Russland, in den USA, in Schweden, wo alles begann, und auch in Deutschland. In Berlin genauso, wie in Soest. Sie streiten für eine neue Klimapolitik. Jan* fragt mich Mitte Januar, ob ich ihn helfen könne. „Wobei denn?“, frage ich. „Helfen, Schilder zu gestalten. Wir wollen am Freitag zur FridaysForFuture Demo.“

Ich bin sichtlich überrascht über dieses Ansinnen. Jan ist im Dezember 15 geworden. Der BVB, chillen, Musik hören, das sind die Dinge womit er sich zurzeit beschäftigt. Der Auftritt der 16-jährigen schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg bei der UN-Klimakonferenz 2018 in Kattowitz hat ihn scheinbar Wach gerüttelt. Er hat sich in die WhatsApp-Gruppe der BUND-Jugend -der Soester Organisatoren für FridaysForFuture – eingetragen. Danach hatte er im Klassenrat einige Mitschüler überzeugen können, statt am Freitag zur Schule, gemeinsam für den Klimaschutz auf die Straße zu gehen. Die Klassenlehrer finden das grundsätzlich gut. Sie weisen aber auf die Schulpflicht und die Konsequenzen bei Fehlbleiben vom Unterricht hin. Einen Tag vor der Demo treffen sie sich bei uns zu Hause und basteln Schilder für den Marsch vom Soester Bahnhof zum Soester Markt, wo eine Kundgebung stattfinden soll. Ich entscheide mich, da ich Zeit habe, am nächsten Morgen, die Jugendlichen zu begleiten.

Kurz nach Neun am folgenden Freitag bewegen sich 250 Jugendliche, auf den von der BUND-Jugend organisierten Protest, lautstark vom Bahnhof durch die Fußgängerzone Richtung Innenstadt. Sogar das WDR-Fernsehen berichtet in der Aktuellen Stunde.

An den folgenden Freitagen sind es deutlich weniger Teilnehmer, weil die Protestaktionen zeitlich auch in die Abiturklausuren fallen, und einmal auch das Wetter einen gehörigen Strich durch die Planungen macht. Dennoch zeigen auch dann die Jugendlichen Präsenz in der Stadt, was man von den vom Protest angesprochenen Soester Politikern nicht behaupten kann.

 

Die Vernachlässigung des Klimawandels hat jeden Unmut und jede Aufregung verdient.

Roland Maibaum, unser Fraktionsvorsitzender und Ratsmitglied für die SPD ist aber letzten Freitag bei der Frühstückaktion (vor Schulbeginn) auf dem Marktplatz dabei und kommt mit den demonstrierenden Jugendlichen ins Gespräch, ist mit dem Herzen dabei. „Wir müssen viel mehr und schneller für den Umwelt- und Klimaschutz tätig werden. Jede und jeder einzelne ist gefragt. Zudem gilt es, auf allen politischen Ebenen die richtigen Entscheidungen für saubere Luft, weniger Plastikmüll und den Schutz unserer Natur und der Artenvielfalt zu treffen.“

Auch unsere Ortsvereinsvorsitzende Sandra Wulf ist der Meinung: „Klimaschutz beginnt vor Ort: Hieran möchten wir daher auch als Soester SPD – trotz Rückschlägen durch die Ratsmehrheit z.B. beim Klimaschutz und beim Baumschutz – intensiv weiterarbeiten. Statt Sanktionen und Kritik verdienen die Schülerinnen und Schüler unsere vollste Unterstützung für ihren Einsatz“.

 

Bild: Alfred Gewohn

 

 

Politisches Engagement muss unbequem sein

Wir dürfen den Jugendlichen nicht die Schulpflicht entgegenhalten oder ihnen in Bezug auf Klimaschutz und Ökonomie fehlende Kenntnisse vorwerfen. Wenn wir von jungen Menschen politisches und gesellschaftliches Engagement einfordern, sollen wir wissen, dass es unbequem werden kann. Und genau das ist der Grund, warum diese Demonstrationen oder Klimastreiks nicht am Sonntagnachmittag als gemütlicher Verdauungsspaziergang nach dem Mittagessen stattfinden, sondern eben am Freitag, wenn sie für Unmut und Aufregung sorgen.

 

Es geht um Verantwortung, nicht ums Schule schwänzen

Fazit: „Wir sollten uns in Soest der Verantwortung stellen und für unsere Stadt eine eigene Klimakonferenz auf die Beine stellen, bei dem die Jugendlichen und aller im Rat vertretenen Parteien Lösungen für Soest erarbeiten, am besten an einem Freitagvormittag. Die Kosten dafür sollten es der Stadt Wert sein.

Dr. Dirk Bruns, Pressesprecher, Alfred Gewohn

*Name geändert

 

… und wer immer noch nicht weiß, worüber wir hier reden:

Ein Vlog von Kevin Kühnert zum Thema Fridays for Future kommt kurz und knapp auf den Punkt!

Auf einen Kaffee mit Kevin Kühnert ☕ | Folge 2 auf Youtube

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